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Zu Gast in Ambras 05
Zu Gast in Ambras 05
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Zu Gast in Ambras 05

Ein Meisterwerk aus dem Kunsthistorischen Museum Wien

Stierkopfschale aus dem Goldschatz von Nagyszentmiklós

Jedes Jahr im Herbst zeigt Schloss Ambras Innsbruck ein berühmtes Meisterwerk aus einer Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien. Der Gast 2015 kommt aus der Antikensammlung: Die Stierkopfschale ist ein Goldgefäß, das aus dem größten bisher bekannten Goldschatz des europäischen Frühmittelalters stammt. Gefunden wurde er 1799 im damals ungarischen Ort Nagyszentmiklós (heute Sânnicolau Mare in Rumänien). Der 23-teilige Goldschatz besteht aus Krügen, Schalen, Bechern, Pokalen und einem Trinkhorn. Die Gefäße dürften zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert entstanden sein und zählen zu den Highlights des Kunsthistorischen Museums Wien.

Das Objekt zeigt den Kopf eines Mischwesens, das, zurückgewandt, über den Rand der ovalen Schale blickt. Mähne und Reißzähne sind die eines Löwen, während Augen, Hörner und Ohren an einen Stier erinnern. Wegen dieser auffälligen Merkmale hat die Stierkopfschale ihre Bezeichnung erhalten, obwohl der Raubtiercharakter des Wesens überwiegt. Auch die drei Beine, auf denen die Schale steht, sind die einer Raubkatze. Reicher ornamentaler Dekor überzieht Tierkopf und Schalenrand. Das Meisterwerk frühmittelalterlicher Goldschmiedekunst ist in der Technik der Treibziselierung (durch Bearbeitung mit Hammer und Punzen) gefertigt.

Die gezeigte Stierkopfschale hat noch ein Zwillingsgefäß in der Wiener Antikensammlung, von dem sie sich bloß durch kleine Details unterscheidet.

Bis heute ist die kunsthistorische Einordnung des Goldschatzes von Nagyszentmiklós schwer, weil Vergleichsfunde fehlen, der Dekor verschiedenartige stilistische Einflüsse zeigt und die Inschriften, die einige Gefäße tragen, bis heute nicht zufriedenstellend gedeutet werden konnten. Die jüngere Forschung nimmt einen Zusammenhang mit der Kultur der Awaren an, jenes Reitervolks des Frühmittelalters, das 200 Jahre in der Pannonischen Tiefebene den wichtigsten Machtfaktor zwischen dem Fränkischen und dem Byzantinischen Reich bildete.

 

 


Information

9. September 2015
bis 1. November 2015

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