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Schloss Ambras Innsbruck liegt auf etwa 100 Meter über dem vom Innfluss geschaffenen Talboden auf einem Felsen, am heutigen Stadtrand der Tiroler Landeshauptstadt. Bereits aus dem 10. Jahrhundert sind Nachrichten über Ambras überliefert, mit der Schreibweise „Amras“ oder „Omras“. Lange vor der Stadtverleihung Innsbrucks erreichte es im Hochmittelalter überregionale Bedeutung als fester Sitz der ursprünglich in Oberbayern begüterten Grafen aus dem Haus Andechs.

Von der ursprünglichen Burg der Andechser, die 1133 zerstört wurde, ist nichts mehr erhalten. Von den Andechsern ging die Burg auf dem Erbweg in den Besitz der Tiroler Landesfürsten über. Der mittelalterliche Bestand lässt sich nur noch an der Bausubstanz des Hochschlosses ablesen.

Das Schloss Erzherzog Ferdinands II.

Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595), Kniestück in Adlerrüstung

Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595) war zunächst kaiserlicher Statthalter in Prag, ehe er 1564 Landesfürst von Tirol und der Österreichischen Vorlande wurde. Nach einer dreijährigen Übergangszeit, während der er die Regierung von Prag aus führte, schlug er 1567 seinen Hof in Innsbruck auf. Er ließ die mittelalterliche Burg Ambras zum Wohnschloss im Stil der Renaissance ausbauen. Unterhalb des Hochschlosses wurde einer der künstlerisch bedeutendsten Saalbauten der Spätrenaissance errichtet (1570–72), der seit dem 19. Jahrhundert »Spanischer Saal« genannt wird. Südwestlich vom Hochschloss veranlasste er den Bau eines Ballspielhauses sowie des so genannten Unterschlosses (1570–83). Noch vor Beginn der Bauarbeiten hatte Ferdinand das Schloss samt der dazugehörigen Herrschaft seiner ihm damals noch geheim angetrauten Frau Philippine Welser (1527–1580) überschrieben.

Bereits zu Lebzeiten Philippine Welsers brachte Ferdinand seine bereits damals weithin berühmte Sammlung von Harnischen, Waffen, Portraits und Naturalien, Raritäten, "Wunder der Natur" und Kostbarkeiten nach Schloss Ambras. 1589 ließ er ein zusätzliches Gebäude westlich an das Unterschlosses, die sogenannte Heldenrüstkammer anbauen.

Philippine Welser

Philippine Welser

Erzherzog Ferdinand II. war der zweitgeborene Sohn Kaiser Ferdinands I. und war als Bräutigam für eine französische und portugiesische Prinzessin im Gespräch, und sogar die beiden Königinnen Maria Tudor und Maria Stuart galten als potentielle Heiratskandidatinnen. 1557 ehelichte er jedoch heimlich Philippine Welser, die Tochter eines reichen Augsburger Patriziers und Kaufmanns.

Eine solche morganatische Ehe galt zwar nach kirchlichem Recht für gültig, nach den Rechtsordnungen der meisten deutschen Städte jedoch als strafbar. Die Ehe musste daher geheimgehalten werden, und Philippine galt offiziell als unverheiratet. Erst zwei Jahre später informierte Erzherzog Ferdinand II. seinen Vater, Kaiser Ferdinand I., über die heimliche Hochzeit.

Philippines allzeit und allen entgegengebrachte Hilfsbereitschaft machte sie vor allem in Tirol beliebt und nicht einmal der Adel scheute sich, seine Bitten der ehemals nicht Standesgemäßen vorzutragen. Die Anrede in den zahlreichen Bittbriefen ging vom „gnädigen Fräulein“ bis zur „durchlauchtigsten Fürstin Frau Philippine von Österreich“.

Nach dem Tod Ferdinands II.

Kaiser Rudolf II. (1552-1612)

Marktgraf Karl von Burgau, der zweite Sohn von Philippine Welser und Ferdinand II. erbte 1595 das Schloss und seine Sammlungen. Dieser war jedoch wenig an der kostspieligen Erhaltung von Ambras und der Sammlung interessiert und verkaufte beides 1606 an Kaiser Rudolf II. (1552–1612). In der Folgezeit war das Schloss nicht mehr Residenz und nur selten bewohnt. Durch mangelnde Konservierungsmaßnahmen kam es zu Verlusten, die in den handgeschriebenen Inventaren überliefert sind. Vor allem Bücher, Manuskripte und vermutlich auch Handzeichnungen fielen Feuchtigkeit und Insektenfraß zum Opfer.

Sammlungsbestände übersiedeln nach Wien

Bereits im 17. Jahrhundert ließ Kaiser Leopold I. (1640–1705) die gefährdeten wertvollsten Bestände an Büchern, Manuskripten und frühen Druckwerken nach Wien bringen. Sie befinden sich heute überwiegend in der Nationalbibliothek. In extreme Gefahr geriet die Sammlung 1805 nach der Niederlage Österreichs gegen das Kaiserreich Frankreich. Erst als Napoleon I. (1769–1821) den privatrechtlichen Charakter der Ambraser Sammlung anerkannte, konnte diese 1806 nach Wien in Sicherheit gebracht werden.

Ambras im 19. Jahrhundert

Nach 1855 wurde das Schloss zur Sommerresidenz des Statthalters Erzherzog Karl Ludwig (1833 – 96) umgestaltet. Im Zuge dessen kam es zu tiefen Eingriffen in Schloss und Park, wodurch die Anlage seinen geschlossenen Renaissance-Charakter vorübergehend einbüßte. Die auffallendsten Änderungen erfuhren das Hochschloss durch die Anlage einer romantischen efeubegrünten Auffahrtsrampe und der Park durch eine Umgestaltung in eine englische Parkanlage. Nach dem Verzicht Karl Ludwigs auf die Statthalterschaft 1861 blieb das Schloss in mehr oder weniger ruinösem Zustand. Erst 1880 wurde es wieder in ein Museum umgewandelt und in der Folge saniert, wobei das baufällige Ballspielhaus und die Heldenrüstkammer abgerissen wurden.

Ambras im 20. Jahrhundert

1919 ging Schloss Ambras in den Besitz der Republik Österreich über. 1950 übernahm das Kunsthistorische Museum Wien die Verwaltung von Schloss und Sammlungen. In den siebziger Jahren wurde mit einer umfassenden Restaurierung des Spanischen Saals, der Wohnräume des Hochschlosses und der Malereien im Innenhof des Hochschlosses begonnen. 1974 wurden die Kunst- und Wunderkammer, 1980-81 die Rüstkammern im Unterschloss wieder aufgestellt, 1976 die Habsburger Porträtgalerie des 15. bis 19. Jahrhunderts eingerichtet. 2013 kam die Glassammlung Strasser hinzu. Heute ist Schloss Ambras Innsbruck Teil des KHM-Museumsverbands.

 

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