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Zu Gast in Ambras 08

Zu Gast in Ambras 08

Die Marter der Heiligen Katharina von Joachim Patinir

Die Reihe Zu Gast in Ambras bringt jeden Herbst ein ausgewähltes Meisterwerk aus den Beständen des Kunsthistorischen Museums Wien nach Schloss Ambras. 2018 kommt der Gast aus der Gemäldegalerie: das Meisterwerk Die Marter der heiligen Katharina von Joachim Patinier.

Der flämische Meister Joachim Patinir (1475/1480–1524) war der erste niederländische Künstler, der sich auf das Malen von Landschaften spezialisierte. In seinen panoramaartig angelegten Überblickslandschaften mit fantastisch anmutenden Felsformationen, Wäldern, Städten und Flussläufen sind zumeist religiöse Szenen eingebettet – so auch in der Marter der heiligen Katharina. Das um 1515 entstandene Tafelbild steht am Beginn dieser Weltlandschaftsmalerei und gilt als Hauptwerk von Patinirs früher Schaffensphase. Das Gemälde ist zugleich religiöses Bild als auch Landschaftsmalerei, wobei Patinir den Schwerpunkt umkehrt: Nicht die heilige Katharina steht im Mittelpunkt, sondern die Landschaft.

Dem Gemälde liegt als Thema eine Episode aus der Katharinenvita zugrunde. Katharina von Alexandrien soll dem römischen Kaiser Maxentius (um 280–312) begegnet sein und versucht haben, diesen zum Christentum zu bekehren. Der Kaiser zog fünfzig Philosophen zu Rate, um zwingende Argumente gegen Katharinas Worte zu finden. Nachdem die Weisen aber selbst überzeugt zum Christentum übertraten, ließ Maxentius sie hinrichten. Auch die standhafte Katharina sollte mit Folterrädern gepeinigt werden. Doch Gott sandte einen Engel, der das Rad auflodern und zerbersten ließ. Joachim Patinir führt diese verschiedenen aufeinanderfolgenden Ereignisse im höchst dramatisch inszenierten Gemälde gleichzeitig vor Augen.

Die kleinformatige Komposition weist mehrfache Perspektivwechsel auf, die von Vogelperspektive bis zu teleskopischer Wiedergabe miniaturhafter Elemente im Bildhintergrund reichen. Meisterhaft erzeugt Patinir auf begrenztem Raum maximale Tiefenwirkung: Durch das Farbschema der Luftperspektive mit Braun-, Grün- und Blautönen setzt er Vorder-, Mittel- und Hintergrund voneinander ab.

Die Marter der heiligen Katharina lässt Patinirs maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung autonomer Landschaftsbilder nachvollziehen. Das Gemälde führt exemplarisch vor Augen, weshalb Patinirs Œuvre ein erster Höhepunkt dieser von ihm begründeten und geprägten Gattung der Panoramamalerei war.


Information

30. August 2018
bis 31. Oktober 2018

Schloss Ambras Innsbruck
Schlossstraße 20, 6020 Innsbruck

Öffnungszeiten
Täglich, 10 - 17 Uhr
Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!
November geschlossen

Die Habsburger Porträtgalerie sowie die Sammlung gotischer Skulpturen ist von April bis Oktober zugänglich!

Sonderöffnungszeiten

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